206
haben auch Eheſcheidungen, obgleich ſie bei den Grie⸗ chen erlaubt ſind, meiſtens nur in den groͤßern Hau⸗ delsſtaͤdten Statt. Die eheliche Liebe in ihrer ganzen Staͤrke iſt eine von den achtungswertheſten Tugenden, welche man an den Neugriechen zu ruͤhmen hat. Wenn die beiden Familien der jungen Leute we⸗ gen des Heirathsgutes uͤbereingekommen ſind, ſo wird ſogleich der Hochzeittag beſtimmt. Das junge Paar wird mit einem großen Gefolge, unter Geſaͤn⸗ gen und Taͤnzen, und gewoͤhnlich unter Vortragung von Fackeln, als den Sinnbildern Amors und Hy⸗ mens, in die Kirche gefuͤhrt. Sobald das Brautpaar aus dem Hauſe tritt, ſo wird es von allen Seiten mit Baumwollkoͤrnern geworfen; dieß geſchieht noch ein⸗ mal in der Kirche, im Augenblicke der prieſterlichen Einſegnung, um dadurch den jungen Leuten ein gluͤck⸗ liches Leben und ſo viele Jahre zu wuͤnſchen, als man Koͤrner auf ſie geworfen hat. Braut und Braͤutigam waͤhlen ſich einen Pathen, welche ſo lange bei ihnen bleiben, bis die Ceremonie ganz voruͤber iſt. An der Thuͤre der Kirche ſetzt der Pope dem Brautpaare zwei Kraͤnze von Blaͤttern, welche mit Baͤndern und Spitzen verziert ſind, auf das Haupt, und ſegnet auch zwei Ringe ein, einen von Gold, und den andern von Silber, und ſteckt ſie ihnen an die Finger. Waͤh⸗ rend der Feierlichkeit vertauſcht er Kraͤnze und Ringe öͤfters, doch ſo, daß am Ende der goldene Ring dem Manne, und der ſilberne der Frau bleibt. Hierauf


