128
Ehemals waren die eypriſchen Frauen beruͤhmt durch ihre Reitze, und auch jetzt noch ſind dieſe nicht ganz erloſchen. Beſonders wenden die Schoͤnen viele Sorgfalt auf den Putz, an welchem nie Blumen feb⸗ len, weil ſie dieſe fuͤr einen weſentlichen Theil des weiblichen Schmuckes halten. Den Wunſch zu gefal⸗ len aͤußern ſie mit einer liebenswuͤrdigen Offenherzig⸗ keit. Sie baben zwar jetzt weniger Freiheit, als ſie vielleicht ſonſt moͤgen gehabt haben; doch iſt der Zwang, welchen die Gewohnheit ihnen auflegt, noch ganz er⸗ traͤglich.
Unter den Bergen, welche die Inſel Cypern nach der Laͤnge durchſchneiden, iſt der Olymp der höchſte und merkwuͤrdigſte, welchen die Alten zum Unterſchiede von zwei andern Bergen gleiches Na⸗ mens,(einer iſt in Anatolien, der andere in Ma⸗ eedonien,) kleinen Olymp nannten. Den Venus⸗Tempel auf ſeinem Gipfel durften die Weiber nicht betreten, ſelbſt ihn anzuſehen war ihnen unter⸗ ſagt. In der Folge traten Klöſter an ſeine Stelle, deren arbeitſame Moͤnche die ganze Seite des Berges in fruchtbare Felder und Gaͤrten verwandelten. Aber die gefuͤhlloſen Tuͤrken verwuͤſteten dieſe ſchoͤnen An⸗ lagen, zerſtoͤrten die Kloͤſter, und verwandelten den ganzen Bezirk in eine Einoͤde.—
Die Laͤnge der Inſel betraͤgt von Oſten nach We⸗ ſten beilaͤufig o Stunden, ihre groͤßte Breite von Sid nach Nord 30, und ihr Umkreis ungefaͤhr 180


