Teil eines Werkes 
3. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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auch waͤhrend des Winters einen betraͤchtlichen Grad von Kaͤlte, und ſind Urſache, daß die hoͤchſten Gipfel der Berge faſt das ganze Jahr nie voͤllig von Eis und Schnee befreit ſind. Dieſe noͤrdliche Haͤlfte iſt uͤber⸗ haupt die bergigſte, holzreichſte, und im Ganzen ge⸗ nommen die kultivirteſte.

In den ſuͤdlichen Ebenen wirkt die Hitze der Sonne in ihrer ganzen Kraft, weil die nackten Fel⸗ ſenwaͤnde auf dieſer Seite die Winde abhalten. In dieſer Jahres⸗Zeit regnet es aͤußerſt ſelten, und die hierdurch entſtehende, lange und ſchreckliche Duͤrre macht oft alle Gewaͤchſe vertrocknen, und glanhſam von der Erde verſchwinden.

Den ganz niedergeſchlagenen und muthloſen Ein⸗ wohnern faͤllt es nicht ein, die lechzenden Felder zu begießen. Waͤhrend dieſes ſchrecklichen Waſſer⸗Man⸗ gels machen in einigen Bezirken ſtehende und faule Gewaͤſſer den Aufenthalt aͤußerſt ungeſund. Fließende Vaͤſſer ſind ſelten, weil die meiſten Fluͤße Waldſtroͤ⸗ me ſind, deren Bett im Sommer ganz trocken iſt.

Die griechiſchen Einwohner der Inſel ſind groß und ſchoͤn ewachäen von einnehmendem Geſicht und edlem Anſtande. Sie ſollen alle Griechen an Liſt und Betrug uͤbertreffen; doch machen ſie auf der andern Seite durch Gaſtfreundſchaft, welche ſie mit der edel⸗ ſten Großmuth uͤben, ihre Fehler wieder vergeſſen. Sie ſind uͤbrigens aͤußerſt froͤhlich, und haben einen großen Hang zu Vergnuͤgungen.