369 ſteht eben die Kunſt; doch wird ſie oft mit dem Ver⸗ luſte eines Auges oder mit einem Schaden an einem andern Gliede bezahlt. Dieſe und aͤhnliche Vergnuͤ⸗ gungen hatte man oft im Lager zu ſehen.
Am 14. Juni aber ertoͤnte die Trommel zum Auf⸗ bruche; die Zelte waren ſchuell abgebrochen, und nun ging es, nachdem der Geſandte von ſeiner Gemahlin und von ſeinen Kindern Abſchied genommen hatte, denn dieſe reiſten wieder zuruͤck, mit einem unuͤber⸗ ſehbaren Zuge von Wagen und Kuͤbitken nach der Haupt⸗ ſtadt der Moldau vorwaͤrts. Die Bewohner dieſer Ge⸗ genden mochten den Aufbruch wohl gerne ſehen: denn ſie hatten bis jetzt, nach dem Gebrauche der Tuͤrken, alle Lebens⸗Beduͤrfniſſe in das ruſſiſche und tuͤrkiſche Lager liefern muͤſſen. Es war naͤmlich ausgemacht, daß die Tuͤrken die ruſſiſche Geſandtſchaft taͤglich mit 600 Piaſtern zu unterhalten hatten. Hierdurch erwuchs dem nicht reichen ruſſiſchen Geſandten und ſeiner Fa⸗ milie ein nicht unanſehnlicher Vortheil, und das hatte auch die Monarchin gewollt.
Anfangs war das Wetter truͤbe; doch klaͤrte ſich der Himmel bald auf. Manche lachende Gegend er⸗ quickte das Auge, und bald war man da angekommen, wo man dem Dujestr das letzte Lebewohl ſagen konnte und mußte. Muͤhſam ging es nun einige Berge hinauf. Ueberraſchend war indeſſen auf dem Gipfel des einen die Ausſicht, und man ſah, daß die Mol⸗ dau ein ſchoͤnes und fruchtbares Land ſey.


