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Die orientaliſchen Voͤlker haben ein ſehr muſika⸗ liſches Gehoͤr. Sie lieben die Muſik, ſo bald ſie nur zu hoͤren anfangen. Man ſieht keinen Griechen, kei⸗ nen Tuͤrken, ſie moͤgen ſo vornehm oder ſo gering feyd, als ſie nur wollen, der nicht ſtille ſtünde, um eine ſchoͤne Stimme oder den Geſang einer Nachtigall zu hoͤren, ungeachtet die Muſik bei ihnen niemals eine Leidenſchaft iſt, der ſich ein Menſch ganz uͤberlaͤßt, wie man es ſehr oft bei uns ſieht.
Guys verſichert, daß in der griechiſchen und tuͤr⸗ kiſchen Muſik, die Abtheilung der Toͤne, die von ei⸗ nem weit groͤßern Umfange iſt, als die unſrige, ih⸗ nen Ausdruͤcke verſchaft, die wir nicht haben, und die in der zaͤrtlichen Gattung eine große Wirkung thun. Auch durchdringen ihre empfindungsvollen Lie⸗ der, ihre ſchmerzlichen Geſaͤnge die Seele, und brin⸗ gen die ſuͤßeſte und angenehmſte Bewegung hervor.
Sultan Amurat, dieſer grauſame Fuͤrſt, da er Bagdad belagert und eingenommen hatte, gab nach der Eroberung Befehl, 30,000 Perſer zu ermorden, die die Waffen niedergelegt hatten. Unter der Zahl dieſer Ungluͤcklichen befand ſich ein Muſikus, der den tuͤrkiſchen Offizier bat, ſeinen Tod einen Au⸗ genblick zu verzögern, und ihm die Erlaubniß iu ver⸗ ſchaffen, den Kaiſer zu ſprechen. Man fuͤhrte ihn


