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zum Amurat, und fragte ihn, was er vorzubrin⸗ gen habe. 4 3
„Erhabenſter Kaiſer, ſagte er, geſtatte nicht, daß eine ſo herrliche Kunſt, als die Muſik iſt, heute mit dem Schaſeuli umkomme. Ich beklage das Leben nicht um des Lebens willen, ſondern bloß aus Liebe fuͤr die Muſik, deren Tiefen ich noch nicht alle habe errei⸗ chen koͤnnen. Laß mich arbeiten, mich in dieſer goͤtt⸗ lichen Kunſt vollkommner zu machen; und bin ich ſo gluͤcklich, den Punkt, nach dem ich ſtrebe, zu errei⸗ chen, ſo werde ich glauben, ein groͤßer Gluͤck erhalten zu haben, als wann ich dein Reich beſaͤße,’“ Man gab ihm die Erlaubniß, ſeine Talente hoͤren zu laſſen. Sogleich nahm er, wie der Saͤnger des Homers, einen Scheſchdar, begleitete dieſes Inſtrument mit ſeiner Stimme, und beſang mit einem ſo ruͤhrenden Tone die tragiſche Einnahme von Bagdad und den Triumph des Amurat, daß dieſer Fuͤrſt in Thraͤnen zerfloß, und fortfuhr, ſo lange geruͤhrt zu ſeyn, als ſich der Tonkuͤnſtler hoͤren ließ. Der Kaiſer befahl⸗ in Anſehung ſeiner, daß nicht nur das Leben derjeni⸗ gen gerettet wuͤrde, die noch nicht hingerichtet waren, ſondern er gab ihnen noch uͤberdieß ihre Freiheit. Amurat behielt den Muſikus bei ſich, und hielt ihn ſehr hoch.
Dies iſt ein großer Beweis fuͤr die erſtaunenden


