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Ein junges Maͤdchen reißt ſich los, indem die an⸗ dern ruhen: ſie tanzt allein mit den Krotalen, der Zimbel, oder einer kleinen Trommel in der Hand. Sie ſtuͤrzt hervor, befluͤgelt ihre Fuͤße, kehrt ſchnell zuruͤck, und ſetzt durch die mannigfaltigſten und unge⸗ zwungenſten Bewegungen in Bewunderung. 3
Eben die Luſtigkeit, eben die Taͤnze erblickt man in den Baͤdern, wo die Griechen ſich zu verſammeln verabreden, und ſich Rendesvous geben. Hier findet man mehr als ein Urbild zu dem reizenden Gemaͤlde des Horaz, wo man die ganz nackten Grazien mit den Nymphen ſich zu Taͤnzen vereinigen ſieht. Man kann ſich eben dieſes in dem Nymphenbade vorſtellen, wel⸗ ches Homer beſchreibt*); in demjenigen von dem See Albano: aber was Piraneſe uns fuͤr ein Nym⸗ phenbad gegeben, iſt nichts weniger als dieſes, wenn man nach der Zeichnung urtheilen ſoll, die M. Cle⸗ riſſeau davon gemacht und mir gezeigt hat.
Wann die junge Griechin aus dem Bade kommt, mit dem leichten Flore bedeckt, welchen die Dichter ein Gewebe des Windes nennen, ſo wuͤrde man ſich einen Begriff von den Najaden in den herkulaniſchen Gemaͤlden machen koͤnnen.
*) Odyss. 1, 3. v.


