Teil eines Werkes 
2. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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gethan, ſie hoͤher geſchaͤtzt, als die Griechen? Die Feindſeligkeiten hoͤrten bei Annaͤherung der Spiele Griechenlands auf. Man vergaß jede Bitterkeit, jede Sorge, jedes andre Intereſſe, ſo bald es darauf an⸗ kam, um den Preis der Lalente zu ſtreiten. Man ſtritt ſogar um den Preis der Schoͤnheit, welche die Kuͤnſtler entzuͤndete, indem ſie ihnen zum Modelle diente.

Alle Talente hatten ſich auf einmal entwickelt, und glaͤnzten zu gleicher Zeit. Die Kuͤnſte faſſen ſich bei der Hand, wie die Grazien. Daͤdalus hatte kaum ſein beruͤhmtes Labyrinth von Kreta vollendet, als man durch den Tanz das Werk des Daͤdalus nach⸗ ahmte, und das reizendſte Gemaͤlde bildete. Die Grie⸗ chen waren vortreffliche Nachahmer, und dieſes Ta⸗ lent charakteriſirt ſie noch. Ihre Taͤnzer und ihre Pantomimen hatten es zu einer ſolchen Vollkommen⸗ beit gebracht, als wir uns vorzuſtellen kaum vermo⸗ gend ſind. Nero hatte, nach der Erzaͤhlung des Lu⸗ eians, einen griechiſchen Pantomimen, der die Haupt⸗ zuüͤge aus der Fabel mit ſo viel Ausdruck und Wahr⸗ heit vorſtellte, daß man glaubte, ſie vor Augen zu haben. Ein Prinz aus Pontus, der zu Rom war, bat den Kaiſer auf das dringendſte, ihm dieſen Pantomi⸗ men zu uͤberlaſſen, nachdem er ihn hatte ſpielen ſe⸗ hen; und da ihm Nero ſeine Verwunderung daruͤber bezeugte, ſagte dieſer fremde Fuͤrſt:Ich habe Bar⸗ baren zu Nachbarn, deren Sprache niemand verſteht.