156’
Patriarchen ernennen und die Rechte der Oberherr⸗ ſchaft ausuͤben konnte, ließ einem unterdruͤckten und gedemuͤthigten Volke, aus Gnaden, den Gottesdienſt ihrer Vaͤter, und legte den Streitigkeiten, die der militaͤriſche Fanatismus der Muſelmaͤnner nicht ge⸗ ſtattete, Stillſchweigen auf: denn Mahomed, ein un⸗ umſchraͤnkter Deſpot, der Eingebung vorgab, da er ſeine Religion bloß durch das Schrecken ſeiner Waffen eingefuͤhret hatte, befahl zu glauben, und wollte keine andern Beweisgruͤnde.
Wie konnten aber die griechiſchen Moͤnche und Prieſter, die allezeit unter ſolchen Beherrſchern zittern
mußten, und keine Gelegenheit mehr hatten, ſich in
Streitigkeiten zu uͤben, oder ſich zu unterrichten, um die alten und neuen Irrthuͤmer zu beſtreiten, wie konnten ſie, ſage ich, es in der Theologie und den Wiſſenſchaften weit bringen?
Schon aus dem wenigen, was bisher geſagt wurde, laͤßt ſich ſchließen, daß die neuern Griechen, da ſie wenig von der Religion unterrichtet ſind, zu derjenigen, die ſie bekennen, alle die alten Sagen und Ausuͤbungen hinzugethan haben, die Leichtglaͤubigkeit und Gewohnheit erzeugten. Mit einem Worte, dieß Volk muß nach dem Verhaͤltniſſe ſeiner Unwiſſenheit auch leichtglaͤubig ſeyn: daher iſt es daſſelbe im hoͤch⸗ ſten Grade, in Abſicht der Wunder, der Vorbedeu⸗ tungen, der Ahnungen, der Traͤume, eben ſo wie es noch den Faſten und andern Uebungen, die es von


