Teil eines Werkes 
2. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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naͤher als wir,(denn durch die feinern Sitten ent⸗ fernt man ſich von ihr), den Malern und Dichtern die ſchoͤnſten Muſter zu ihren Gemaͤlden dargeſtellt. Man wird noch daſelbſt, zwar nicht wuͤthende Baechan⸗ tinnen mit zerſtreuten Haaren, den Thyrſus in der Hand, durch ihr Geheul die Ungeheuer des Waldes in Schrecken ſetzen, noch Pythien auf dem Dreifuße ſehen, von dem Gotte getrieben, der ſie begeiſtert; aber troſtloſe Muͤtter und Wittwen, die ihre Bruſt zerſchlagen, ihre zerſtreueten Haare ausraufen, und mit ihrem Geſchreie ein weites Feld, das ſie zum Schauplatze ihres Schmerzens machen, erfuͤllen. Man wird daſelbſt Kinder die Knie ihrer Eltern um⸗ faſſen, mit Ehrfurcht die vaͤterliche Hand kuͤſſen, und um den Seegen ſie anflehen ſehen, den wir weiter nicht, als aus der Geſchichte der Patriarchen kennen. Wie kalt ſind wir in Vergleichung mit ihnen, bloß weil wir zu ausgebildet und durch alle moͤgliche Kuͤnſte verunſtaltet ſind! Die ruͤhrende Einfalt der alten Ge⸗ braͤuche hat fuͤr uns bloß das Anſehen der guten ehr⸗ lichen Dummheit, die uns geſchmacklos ſcheint und uns mißfaͤllt; aber die Liebe des Wahren und der Natur zieht noch unſere Blicke auf ſich, und haͤlt ſie mit Vergnuͤgen auf den Gemaͤlden, die man uns davon machet, gefeſſelt.

Ein griechiſcher Edelmann iſt ganz gewiß das ſtolzeſte und mit ſich ſelbſt zufriedenſte Weſen, das ich nur kenne. Die Griechen nennen gemeiniglich Koͤ⸗