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die er ſelbſt trug, und machte damit dem edlen Mu⸗ ſelmanne ein Geſchenk.
Die jungen Maͤdchen in Griechenland haben un⸗ ter einander ein Spiel, welches darin beſteht, daß ſie ſich auf die Augen kuͤſſen und dabei einander an die Ohren greifen. Dieſer zaͤrtliche und liebreiche Kuß iſt ſehr alt.
VI. Die Kunſt. ſich zu ſchmuͤcken und zu gefallen, iſt zu allen Zeiten und an allen Orten beinahe die⸗
ſelbe. Obgleich hier die Weiber nicht, wie die unſri⸗
gen in den Geſellſchaften und auf den Schauplaͤtzen glaͤnzen, ſo ſuchen ſie nichts deſtoweniger die Verzie⸗ rungen und Edelgeſteine, die die natuͤrliche Schoͤnheit mehr zu erheben ſcheinen.
Die Maͤdchen hatten vor Alters, wie jetzt, die Haare gebunden, und trugen ſie weit laͤnger, als die Mannsperſonen. 4
Der Hauptſchmuck der griechiſchen Damen, zu⸗ mal wenn er niedrig iſt, wird gemeiniglich von einer Reigerfeder erhoben: aber ſie ermangeln auch nicht, auf ihre Stirne noch eine kleine ſchwarze oder bunte Feder zu pflanzen, die in eine ſchmale Locke gerundet und friſirt iſt. Sollten dieſe Federn nicht einige
Beziehung auf die alte Gewohnheit haben, von der
Winkelm ann in ſeiner ſchoͤnen Sammlung alter Denkmaͤler redet?*) Die Muſen ſtritten auf der Inſel
*) Monumenti antichi, pl. 46.


