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Die griechiſchen Damen geben auch ihren Toͤch⸗ tern, Sklavinnen und den Perſonen, die geringer ſind als ſie, ihre Hand zu kuͤſſen.
Nach dem Handkuſſe, war im Orient das groͤßte Zeichen der Ehrerbietung, wenn man ſich Perſonen von einem hoͤhern Range naͤherte, ihren Rock zu kuͤſſen, oder zu beruͤhren, und dann die Hand zum Munde zu fuͤhren. Die Tuͤrken gruͤßen ihre Goͤnner nicht anders, und es iſt ein Zeichen, daß ſie Jeman⸗ den in ihren Schutz nehmen, wenn ſie ihm erlauben, den Zipfel ihres Rocks zu kuͤſſen. Ein ruͤhrender Zug hievon iſt folgender:
Nachdem der verſtorbene Marquis von Villeneuve den Friedenstraktat von Belgrad zwiſchen dem Kaiſer und dem Sultan Mahmud 1739 geſchloſſen hatte, ging er zur Audienz des Großveziers, der in das Ar⸗ ſenal gekommen war. Zwei franzoͤſiſche Sklaven, da ſie den Botſchafter gewahr wurden, entrannen und warfen ſich bittend zu ſeinen Fuͤßen, daß er ſie los⸗ kaufen moͤchte. Ihr Herr naͤherte ſich, und als M. de Villeneuve ihn fragen ließ, wie viel er fuͤr die Befreiung dieſer beiden Sklaven verlangte? ſagte der Tuͤrke: Sie ſind frei, und ſind nicht mehr mein, ſeit ſte das Gluͤck gehabt haben, den Rock des franzoͤſiſchen Botſchafters zu kuͤſſen. M. de Villeneuve, geruͤhrt von dieſer erhabenen Empfindung, die alle Zuſchauer in Bewegung ſetzte, zog eine ſehr ſchoͤne Uhr heraus,


