130 3 gen, die mehrere hatten. Man hat Figuren geſtickt und gezeichnet, und die Schattirung gemiſcht, nach⸗ dem die Faͤrberei und die Kunſt vollkommener gewor⸗ den. So viel iſt gewiß, daß in Griechenland alle Weiber ſtickten, und daß die Maͤnner ſich eine Ehre daraus machten, die Werke von ihrer Frauen Haͤnde zu tragen.
Man begebe ſich in das Zimmer eines griechiſchen Maͤdchens, und man wird darinnen Jalouſten vor den Fenſtern, und ſtatt aller Mobilien einen Sopha, einen Kaſten mit Elfenbein ausgelegt, worinnen die Seide und die Nadeln liegen, und einen Rahm zum Sticken finden.
V. Man ſieht noch heut zu Tage, wie vormals, im allen guten griechiſchen Haͤuſern, die Amme des Herrn oder der Frau ein Glied von der Familie aus⸗ machen. Bei den Alten verließ eine Frau, die eine junge Perſon geſaͤuget hatte, ſie niemals wieder, ſo⸗ gar nach ihrer Verheirathung: ſie wurde zhre Gouver⸗ nantin, Vertraute und Rathgeberin. Daher kommt es, daß in den alten griechiſchen und roͤmiſchen Trauer⸗ ſpielen, die nach eben dem Entwurfe verfertiget ſind⸗ eine Prinzeſſin faſt niemals auf der Buͤhne, als in der Geſellſchaft ihrer Amme erſchien. Dieſer Gebrauch iſt noch ſo ſehr beibehalten, daß der neuere Name der Amme Paramana itt, ein ſanftes und bedeutenderes Wort, als das alte, weil es eine zweite Mutter au⸗ zeigt. Die Amme wohnet allezeit im Hauſe, wenn


