133
Iſt aber die Braut willkommen, ſo ſteigt ſie vom Wagen und tritt mit dem Braͤutigam in Begleitung ihrer Aeltern in einen Saal. Nach dankbarer Begruͤ⸗ ßung wird die Braut den Weibern uͤberlaſſen, welche zu dieſer Feierlichkeit eingeladen wurden; ſie giebt ih⸗ nen ein Feſt, welches den ganzen Tag dauert. Der junge Ehemann benimmt ſich eben ſo mit ſeinen maͤnn⸗ lichen Gaͤſten. So geht es auch bei allen großen chi⸗ neſiſchen Gaſtmaͤlern zu; die Maͤnner zerſtreuen ſich unter einander, wie die Weiber. So iſt die Hochzeit der Mittel⸗Klaſſe; nach Verhaͤltniß des Ranges und Vermoͤgens iſt alles vornehmer, oder geringer.
Ein Chineſe kann eigentlich nur eine rechtmaͤ⸗ ßige Frau nach dem Geſetze haben, zugleich aber auch mehrere Beiſchlaͤferinnen kaufen. Urſpruͤnglich war dieſe Einrichtung nur zur Befoͤrderung der Bevoͤlke⸗ rung. Daher auch jetzt noch jeder Chineſe bei der Wahl einer Beiſchlaͤferin ſeiner Frau die Abſicht ein⸗ praͤgt, ſie mit einer groͤbern Zahl von Kammerfrauen zu verſehen. In der That uͤbt ſie auch uͤber dieſelben die naͤmliche Gewalt, wie aͤber Dienſtboten aus. So⸗ gar die Kinder, welche dieſe zur Welt bringen, wer⸗ den angeſehen, als gehoͤrten ſie der Frau; aber ſie theilen auch die vaͤterliche Hinterlaſſen ſchaft. Stirbt die Frau, ſo muͤſſen ſie 3 Jahre trauern.
Andere Maͤnner, welche von ihrer rechtmaͤßigen Frau keine maͤnnliche Geburt erhalten koͤnnen, neh⸗ men ſich eine Beiſchlaͤferin fuͤr dieſen Zweck, und ver⸗


