Teil eines Werkes 
3. Th., 3. Bdchn (1829)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

363

gehoͤren, oder hohe Staatsaͤmter begleiten, koͤnnen die Naͤchte des Ramazan nach Belieben zubringen.

In der Beobachtung des Faſtens gehen die An⸗ haͤnger Muhameds weiter, als irgend eine Reli⸗ gions⸗Partei. Weder ein Tropfen Waſſer, noch ein Biſſen Speiſe darf waͤhrend des Tages genoſſen wer⸗ den. Verboten ſind zu dieſer Zeit aller Gebrauch des Rauch⸗ und Schnupf⸗Tabackes, wohlriechende Waſſer und der Beiſchlaf. Als Stoͤrung des ſtrengen Faſtens wird ſchon angeſehen, wenn man im Schlafe Regen oder Schnee einſchluckt, jedes innere Arzeneimittel, jeder Liqueun, welcher durch das Ohr in den Koͤrper kommt; alles, was auf eine aͤußerliche Wunde ge⸗ bracht wird, unſchuldige Spiele zwiſchen Mann und Frau, Erbrechen, Baden, Beſprengen mit Waſſer bei der Hitze, Staub oder Rauch, welcher in den Mund kommt u. ſ. w.

Der Muſelmann beobachtet genau dieſe Faſten; wer dieſelben willkuͤhrlich uͤbertritt, wird als ein Un⸗ glaͤubiger, und reif zur Hinrichtung angeſehen. Das Zeugniß von zwei Maͤnnern reicht hin, ihn zu verder⸗ ben; an Verzeihung iſt nicht zu denken.

Alle, welche durch guͤltige Urſachen veranlaßt wer⸗

den, das Faſten zu unterbrechen, unterlaſſen nie die verfaͤumten Tage durch eben ſo viele andere, zu einer andern Zeit wieder einzuholen.

Von dieſem Faſten ſind befreit die Kranken, Rei⸗ ſenden, ſchwangere Frauen, Ammen, Frauenzimmer