361
Man neunt dieſe naͤchtlichen Freudenmahle in dem Monate Ramazan auch Iftar(Bruch), weil ſie allzeit die Epoche ſind, in welcher das Faſten taͤglich aufgehoben wird. Man uͤberlaͤßt ſich hierauf allgemein dem vierten Tages⸗Gebete, und diejenigen, welche es nicht zu Hauſe verrichten, eilen in die Moſcheen, welche durch eine ungeheuere Anzahl brennender Lam⸗ pen einen herrlichen Anblick darbieten. Tauſende von Menſchen aus allen Staͤnden knieen andaͤchtig dar⸗ nieder. Die Vergnuͤgungen, welchen man ſich waͤh⸗ reud dieſer Nacht uͤberlaͤßt, ſind verſchieden; einige ergoͤtzen ſich an Taͤnzern und Marionetten⸗ und Schat⸗ tenſpiele, andere fahren auf dem Waſſer u. ſ. w.
Die Verhandlungen im Divan werden in dieſem Monate jedes Mal theils ganz aufgehoben, theils ab⸗ gekuͤrzt. Nur ſehr wichtige Gegenſtaͤnde koͤnnen Platz finden.
Wie die Ramazaus Naͤchte beginnen, ſo endigen ſie auch. Bei der Annaͤherung der Morgenrothe, eine halbe Stunde vor dem Fruͤh⸗Gebete, ſetzt man ſich von Neuem an die Tafel. Dieſes Mahl heißt Imſak, indem es eine Vorbereitung zum Tages⸗Faſten iſt. Es unterſcheidet ſich aber dadurch von der Abendmahlzeit, daß ſie nur von der Familie ohne Zuziehung von Frem⸗ den genoſſen wird. Man ſpeiſt entweder allein, oder mit den ſeinigen. Nur der Sultan ſpeiſt beinahe, wie das ganze Jahr, in den Ramazans⸗Naͤchten allein. Bisweilen laͤßt er ſeine Kinder, die Prinzen ſeines


