Teil eines Werkes 
3. Th., 1. Bdchn (1829)
Entstehung
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ſam und unwiſſend, und ganz unfaͤhig geſchildert, die durch die Raͤnke ſeiner Miniſter erregten Unruhen zu daͤmpfen und die innere Ordnung ſeines Reiches zu leiten. Nach ſeiner außerordentlichen Unwiſſenheit konnte er ſich die Nothwendigkeit gar nicht vorſtellen, daß er zu wiſſen brauche, was außerhalb Konſtan⸗ tinopel vorgehe. Sein Zutrauen auf den Groß⸗ Admiral war ganz blind; daher deſſen perſoͤnlicher Muth der kraͤftigſte Schutz gegen die Beſorgniſſe des Sultans war. Das Korps der Janitſcharen und meh⸗ rere Paſchas empoͤrten ſich oͤfters gleichzeitig. Waͤh⸗ rend das ruſſiſche Kabinet immer groͤßere Forderungen machte, erhob ſich unter den Tuͤrken eine zunehmende Unzufriedenheit uͤber die Geduld und Nachſicht der Pforte. Unter folchen Umſtaͤnden darf man ſich nicht wundern, daß ein Souverain, welcher ſein Serail nie verließ, ſich weniger eutſchließen kann, als die mei⸗ ſten ſeiner Weiber, und daß er auf ſeinem Throne ſtets zittert. Gluͤcklicher Weiſe war ſein Neffe und Nachfolger Selim von einem feſteren Charakter, und ließ mehr Verſtand blicken, obſchon er auch durch die Erziehung verweichlicht wurde..

Ein Fremder, welcher hier leben muß, findet ſo wenig Verbindung mit der ihn umgebenden tuͤrkiſchen Nation, daß er ſie fuͤr eine ununderbrochene Reihe von Statuen betrachten wuͤrde, wenn dieſe nicht auch ſich zu Fuß bewegten, oder zu Pferde ſaßen, oder in Schiffen fuͤhren.