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Die zu Konſtantinopel verheiratheten Grie⸗ chinnen geſtatten Jedermann Zutritt, wenn man blos ihre Hochzeit⸗Kleider ſehen will. So ſchoͤn ſie in. der⸗ Regel ſind, ſo prachtvoll iſt auch ihr Anzug, der ſich
durch ihre Geſichts⸗Zuͤge noch ſehr erhebt. Denn
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Viele haben noch die alte griechiſche Geſtalt, einen kleinen Kopf, gerade Naſe, große blaue Augen, braune oder vielmehr ſchwarze Augenlieder und Kopf⸗Haare, gerade Augenbraunen, einen langen und runden Hals, im Ganzen einen mehr magern als dicken Koͤrper, ei⸗ nen kleinen huͤbſchen Mund, recht ſchoͤne Zaͤhne mit einer ſanften und melancholiſchen Miene. Dagegen haben Andere ſchwarze und lebhafte Augen, eine mun⸗ tere und lachende Miene, und einen dicken Leib; ihr Blut ſcheint in ſteter Wallung zu ſeyn; aus ihrem auch etwas groͤßern Munde glaͤnzt ein herrliches Ge⸗ biß. Beide Klaſſen haben nur wenig Rothes im Ge⸗ ſichte; weßwegen Manche ihre bleiche Farbe durch
Schminke zu erheben ſuchen. Solche Frauenzimmer
ſind freilich ausgezeichnete Modelle einer Melpo⸗ mene oder Thalia, an welchen Joſua Rey⸗ nolds ſeine Meiſterſchaft haͤtte erproben koͤnnen. Sehr ſelten ſieht man blonde oder ganz braune Haare; daher man Sklaven dieſer Farbe weit theuerer bezah⸗
len wuͤrde.
Ungeachtet der hohen Reitze der Natur, welche ſich zu Konſtantinopel darbieten, haben die Ge⸗ ſandten nicht das erfreulichſte Leben. Denn ſie ſind


