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eine Großmuth und etwas Edles in ihrem Benehmen. Kein tuͤrkiſcher Miniſter kommt mit einem Geſandten oder einer andern anſehnlichen Perſon zuſammen, ohne Geſchenke zu machen, welche von dieſen nach Stand und Vermoͤgen erwiedert werden. Gegen das weib⸗ liche Geſchlecht benehmen ſie ſich beſonders muſterhaft: wird einem der Kopf abgeſchlagen, ſo wird zwar auch Alles in Beſchlag genommen, was in ſeinem Hauſe gefunden wird; allein nur zum Vortheile der Wittwe, welcher man alle Juwelen uͤberlaͤßt. Wird einer auch nur wegen ſeines Reichthums umgebracht, ſo bleibt doch ſein Harem ein unverletzliches Heiligthum. Der uͤbeln Nachrede iſt kein Frauenzimmer ausgeſetzt; ſeine Schoͤnheit, Talente, Gluͤck oder Ungluͤck iſt Nieman⸗ den bekannt, und kann von keinem beobachtet werden. Allein wenn eine Duͤrkin nicht hoͤchſt unvernuͤnftig iſt, kann ſie ſich auch nicht beklagen: denn ſogar der arme Tagloͤhner verwendet den groͤßten Theil ſeiner Ein⸗ nahme nur fuͤr ſie, waͤhrend ſie zu Haus in ſtolzem Muͤſ⸗ ſiggange ſchwelgt. In großen Haͤuſern gehoͤrt der Zug der Beiſchlaͤferinnen nur zum Pompe der erſten Gemahlin, welche mit ihnen willkuͤhrlich verfahren kann. Wenn auch der Tuͤrke bald nach der Heirath in ſeine Frau nicht mehr verliebt iſt; ſo theilt er doch ſtets ſein ganzes Vermoͤgen mit ihr. Das weibliche Geſchlecht iſt kaum irgend wo gluͤcklicher, als in der Tuͤrkei; es genießt nach der Sitte des Landes große Freiheiten, und nur von ihm haͤngt ab, boͤchſt glucklich zu ſeyn⸗


