Teil eines Werkes 
3. Th., 1. Bdchn (1829)
Entstehung
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genpflaſter, welcher ihre Leiber bis an die Huͤfte be⸗ deckt. Keine dieſer unwiſſenden Naturaliſtinnen ah⸗ net auch nur ferne dieſe Unſchicklichkeit. Ihre Haare ſind in mehrere kleine Zoͤpfe geflochten, welche ent⸗ weder uͤber die Schulter herab haͤngen, oder gegen den Turban aufgeknuͤpft ſind. Manche tuͤrkiſche Dame koͤnnte fuͤr eine außerordentliche Schoͤnheit gelten; allein da ſie weiße und rothe Schminke ganz dick auflegen, ihre Augenbraunen unter einer oder zwei ſchwarzen Streifen verbergen, ihre Zaͤhne durch den Tabaks⸗Rauch ſich ſchwaͤrzen, und ihre Schultern ganz abrunden, ſo erſcheinen ſie eher widrig. Die letztere Erſcheinung kommt von ihrer Gewohnheit, daß ſie von Jugend auf wie Schneider ſitzen. Die ſchwarze Farbe, mit welcher ſie ſich Linien uͤber ihre Augenbraunen ziehen, nimmt ihrem Auge den Ausdruck der Sanft⸗ heit. Sie ſtellen ſo einfaͤltige Fragen, als ihr Putz gekuͤnſtelt iſt, z. B. ſind ſie verheirathet? Haben ſie Kinder? Sind ſie nicht krank? Gefaͤllt ihnen Kon⸗ ſtantinopel? Daruͤber darf man ſich nicht wun⸗ dern: denn die meiſte Zeit jedes Tages bringen ſie im Bade oder an der Toilette zu; das erſte vernichtet bald ihre Reitze, das letztere vereitelt deren Eindruck. Durch die warmen Baͤder werden ſelbſt die feſten Koͤr⸗ per ſchlapp, und Frauenzimmer von 19 20 Jahren ſehen einem 40 jaͤhrigen gleich. Vergebens bemuͤhen ſie ſich, durch Kunſt ihrer Schönheit wieder zu geben, was das warme Bad verdirbt. Bis eine Dame den