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Einladung nicht an, und eilten zu dem Geſandten im Garten zuruͤck. 1
Von der Reinlichkeit und netten Einrichtung ei⸗ nes inneren Harems kann man ſich keinen Begriff ma⸗ chen. Die Gaͤnge und Fußboͤden ſind mit ſehr ſtar⸗ ken Decken von einem aͤußerſt engen Gewebe bedeckt; die Bimſen oder Schilfe, aus welchen ſie gefertigt ſind, haben die bleiche Stroh⸗Farbe. In den Zimmern wa⸗ ren keine anderen Meubles als Kiſſen rings herum. Da die tuͤrkiſchen Maͤnner und Weiber die Pantoffeln, welche ſie außer dem Hauſe tragen, vor der Thuͤre des Zimmers ſtehen laſſen, ſo ſieht man nicht den geringſten Flecken von Unrath oder Sand. Die weib⸗ liche Kleidung beſteht in einem Unterroͤckchen und Kaſ⸗ ſet, uͤber welche ein langes Kleid mit kurzen Aermeln gezogen wird. Die Frau vom Hauſe hat ein ſeidenes Kleid, welches mit einer an Gold und Diamanten reichen und ſchoͤn bunten Bordure beſetzt iſt. Unter der Robe ſieht man eine Binde, welche vorne mit zwei Reihen von Diamanten beſetzt iſt, und an wel⸗ cher ein geſticktes Naſentuch haͤngt. Der Turban iſt mit ſo vielen Perlen und Diamanten behaͤngt, daß der Kopf dieſer Dame von deren Gewichte faſt ge⸗ beugt zu ſeyn ſcheint; allein der ganze prachtvolle An⸗ zug wird durch ein Stuͤck Hermelin verunſtaltet. Die⸗ ſer mag anfangs nur zum Kragen gedient haben; da eine Frau die andere durch einen groͤßern Hermelin uͤbertreffen wollte, ſo gleicht er jetzt einem großen Flie⸗


