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Stunde von Konſtantinopel auf dem Wege von Rumelien lag, neu angebaut, und mit unregelmaͤ⸗ ßigen Anlagen umgeben war. Die Geſellſchaft fuhr in Wagen dahin; die Geſandten und ihr maͤnnliches Gefolge hatten die Erlaubniß, im Garten zu ſpatzie⸗ ren; aber die Frauenzimmer mußten ſich in ein Ne⸗ ben⸗Gebaͤude begeben, wo der Boden mit vielem Waſ⸗ ſer bedeckt war, und welches einer ſehr reinlichen Ci⸗ ſterne aͤhnlich war. Man gab ihnen den Wink, ſie moͤchten ſich auf die runde Erhoͤhung begeben. So⸗ bald ſie daſelbſt ſich befanden, wurden die Thuͤren mehrerer Zimmer geoͤffnet. In einigen war nichts zu ſehen; in anderen ſaßen 2—3 Weiber neben einanderz in einem andern war eine junge, ſehr ſchoͤne Weibs⸗ perſon, deren Turban reich mit Diamanten beſetzt war, faſt auf den Kuien einer wilden Negerin geſeſſen. Sie war die Schwaͤgerin des Kapudan⸗Paſcha. Hier⸗ auf wurden die Damen in ein groͤßeres Zimmer ge⸗ fuͤhrt, und von deſſen Gemahlin, welche von mittle⸗ rem Alter und praͤchtig gekleidet war, mit vieler Ar⸗ tigkeit empfangen. Bei dieſer waren mehrere Frauen⸗ zimmer und ein angenommenes Maͤdchen in gleich prachtvollem Anzuge. Sie entſchuldigte, daß ſie die Damen nicht am Thore empfangen habe, indem ſie im Augenblicke ihrer Ankunft mit ihrem Gemahle das Mittagsmal getheilt habe. Man trug Kaffee, Sor⸗ bet und Konfeet auf; allein die Damen nahmen die


