375
Ehe wir dieſes noch erreichten, ſah ich ſchon die Huͤgel an beiden Seiten des Weges mit Dromedaren bedeckt; bald fanden wir noch groͤßere Heerden dieſer Thiere, unter welchen ich auch weiße bemerkte. End⸗ lich kamen wir nach Kiſchela.(Wiiterquartier). Dieſe Stadt, die Reſidenz des Sultan von Beſſa⸗ rabien, wird als Hauptſtadt⸗ dieſer Provinz betrach⸗ tet. Bei meiner Ankunft kam ein Mirza(ein Titel, mit welchem eine unumſchraͤnkte Gewalt uͤber die Kriegsvoͤlker verbunden iſt), mich im Namen des Sultan zu begruͤßen, und in die fuͤr mich beſtimmte Wohnung zu fuͤhren. Nachher beſuchte ich den Sul⸗ tan, welcher ein junger Mann von beilaͤufig 18— 20 Jahren, ziemlich groß, wohl gewachſen, und ſehr be⸗ ſcheiden in ſeinem Betragen war. Die Kleidung des Sultan und der Mirzas ausgenommen, welche nicht koſtbar, aber doch auserleſen war, ſchraͤnkte ſich der
ganze uͤbrige Hausrath nur auf die unentbehrlichſten Gegenſtaͤnde ein. Nur in dem Zimmer des Fuͤrſten waren Glasfenſter; ſonſt ſind uͤberall die Fenſterſtoͤcke mit Papier, welches mit Oel befeuchtet iſt, bloß uͤber⸗ zogen. Abends ſpeißte ich bei dem Fuͤrſten.
Als wir uͤber den Dnieſter gegangen waren, wel⸗ cher Beſſarabien von Yedeſan trennt, ſo ver⸗ ſah uns der begleitende Offizier mit hinlaͤnglicher Be⸗ deckung, weil man die Staͤnde letzteren Bezirkes im Aufruhr begriffen glaubte.
Die Ebenen, uͤber welche wir ſetzten, waren ſo⸗


