363 die Rachgierde der Tuͤrken. Sie brechen nicht gleich in der erſten Wuth los, gewoͤhnlich aber werden die Haͤndel, welche man nicht gleich beilegt, durch einen Meuchelmord geendigt. Der angreifende Theil ſchleift oͤffentlich ſein Meſſer, oder ladet ſein Gewehr, indem: einige ſeiner Freunde ihn zu reitzen, andere zu beſaͤnf⸗ tigen ſuchen. Gemeinhin geht noch die Trunkenheit vor der Uebelthat vorher, weil ſich die Duͤrken erſt durch den Wein den erforderlichen Muͤth verſchaffen. Kommt die Wache hinzu, welche nur Pruͤgel zu ihren Waffen hat, ſo vertheidigt ſich der Meuchelmoͤrder mit wahrem Loͤwenmuthe. Unterliegt er, ſo zwingen die Drohungen ſeiner Freunde die Verwandten des Ermordeten zu einem Vergleiche. Der Moͤrder er⸗ wirbt ſich durch dieſe Handlung ein großes Auſehen.
Kur gedungene Meuchelmoͤrder, Juden oder Chri⸗ ſten, werden wegen begangener Mordthaten beſtraft,
und ohne beſondere Anſtalten hingerichtet. Die Ge⸗ wohnheit, die Chriſten zu verachten, iſt darin ſichtbar, daß der abgehauene Kopf eines Rechtglaͤubigen, auf den hiezu beſonders gekruͤmmten, rechten Arm deſſel⸗ ben, hingegen der eines Unglaͤubigen auf den Hintern: geſtellt wird. Auf dem Grabſteine deſſelben wird nebſt dem Namen auch die Todesart eingegraben.
Obwohl der Wein den Tuͤrken verboten iſt, ſo⸗ gibt es doch zu Konſtantinopel eben ſo viele: Weinhaͤufer, als bei uns. Die Tuͤrken begeben ſich⸗ beſtaͤndig dahin, um ſich zu berauſchen. Da der Wein⸗


