356 ich in der Umgegend von Konſtantinopel erblickte, welche die Maͤnner, um ſie nicht bezahlen zu duͤrfen, oder aus Furcht, bei der Ruͤckkehr in die Hauptſtadt verhaftet zu werden, ermordeten. Oft aber entfliehen Frauen vom angeſehenſten Stande, von der Gewalt ihrer Triebe fortgeriſſen, mit ihrem Schmucke aus ih⸗ ren Gefaͤngniſſen, und begeben ſich in die Arme eines Schaͤndlichen, welcher ſie, um ihrer Reichthuͤmer hab⸗ baft zu werden, nach wenigen Tagen ermordet. Oft ſieht man die nackten Leichname dieſer Ungluͤcklichen im Hafen unter den Fenſtern ihrer Moͤrder ſchwim⸗ men. Um dieſe Unordnungen nicht zu vervielfaͤltigen, verbietet die Regierung das Ausgehen der Weiber waͤhrend groher Feſte und oͤffentlicher Freude⸗Bezeu⸗ gungen..
Die im Serail angekuͤndigte Schwangerſchaft ging nun zu Ende. Durch meine naͤhere Bekanntſchaft mit den Tuͤrken, habe ich die Gewohnheiten, welche bei der Geburt eines Kindes herrſchen, erfahren. Bei den erſten Wehen werden der Vezier, der Mufti und alle großen Kriegs⸗ und Civil⸗Beamten in das Se⸗ rail beordert, um dort in dem Saale, welcher den Namen Sopha fuͤhrt, die Entbindung abzuwarten. Zwoͤlf kleine Kanonen, welche ungefaͤhr ein viertel Pfund tragen, ſtehen in dieſem Zimmer, deſſen Aus⸗ ſicht nach dem Meere geht. Nach der Geburt des Kindes wird uͤber deſſen Geburt und Geſchlecht eine beſondere Akte ausgefertigt; bierauf die Stuͤcke abge⸗


