Teil eines Werkes 
2. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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gebaut. Die Straſſe der Franken iſt die ſchoͤnſte, und laͤuft laͤngs des Hafens hin. Darin ſind die reichſten Magazine der Welt. Alle Nationen haben hier Kon⸗ ſuls. Der venettaniſche war 148 Jahre alt, hatte das Jahrhundert erlebt, und mit 5 Weibern 60 Kinder er⸗ zeugt, die von ſeinen Sklavinnen nicht gerechnet; denn der gute Mann war ſehr verliebter Natur. 1

Aller Handel von den vielerlei Waaren geſchieht durch die Vermittlung der Juden, und man kann we⸗ der erwas kaufen noch verkaufen, das nicht durch ihre Haͤnde ginge, obwohl man ſie fuͤr elende Leute haͤlt. Sie leben aber zu Smyrna ſehr gut, was bei ſo gei⸗ tzigen Menſchen etwas Auſſerordentliches iſt. Die Tuͤrken laſſen ſich ſelten auf der Straſſe der Franken ſehen, deßwegen glaubt man, hier in der Chriſtenheit zu ſeyn. Man gruͤßt ſich franzoͤſiſch, italieniſch, engliſch, und zieht dabei den Hut ab. In den Kirchen wird oͤffentlich geſungen und gepredigt. Die Wirthshaͤuſer ſind Tag und Nacht offen; darin wird nach franzoͤſi⸗ ſcher, tuͤrkiſcher und griechiſcher Art geſchmauſet, ge⸗ ſpielt und getanzt. Ueberdies ſind dieſe Haͤuſer ſehr ſchoͤn und reinlich.

An einem Ende von Smyrna, wo die Straſſe der Franken ein Ende nimmt, bewaͤſſert ein angeneh⸗ mer Fluß fruchtbare Gaͤrten. An dieſem Fluſſe iſt der beruͤhmteſte Dichter geboren, welcher, da man ſeinen Vater nicht kannte, den Namen desſelben, Melas, bekam. Ein ſchoͤnes Frauenzimmer, Critheis, hatte