Teil eines Werkes 
2. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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genwaͤrtig hat ſie die Geſtalt eines Halbmondes, und man ſetzt noch hinzu, daß ſie groͤßer geworden ſey. Auch einige andere Inſeln ſollen aus dem Meere her⸗ vorgekommen ſeyn. Einige Tage, wird verſichert, ſey eine große Finſterniß geweſen, als ob dieſelbe aus einem brennenden Schmeltzofen herkomme. Flammen und eine ſo große Menge Bimsſteine kamen aus dem Meere hervor, daß die Kuͤſten von Klein⸗Aſien bis an die Dardanellen davon bedeckt worden ſind*). Das Meer ſchien zu kochen, unter einem unterirdiſchen Kra⸗ chen, das man 200 Meilen weit hoͤrte. Deßwegen iſt der Boden auf Santorin trocken und unfruchtbar, nichts als ein zerſtoßener Bimsſtein; nur der Fleiß der Einwohner hat die Inſel zu einem angenehmen Baum⸗ Garten umgeſchaffen. Der Wein gleicht dem Rhein⸗ Weine, iſt ſehr ſtark und geiſtig; man verfuͤhrt ihn bis Konſtautinopel. Ordentlicher Weiſe pflegt man des Jahrs nur viermal Gerſtenbrod zu backen, und nur elumal Ochſen zu ſchlachten. Jenes iſt ein elender Zwieback; das Fleiſch aber wird in Eſſig und Salz ge⸗ legt, und acht Monate lang der Sonne ausgeſetzt, wo es ſo hart wird wie Holz. Alle Einwohner der In⸗ ſel ſind Griechen; man hoͤrt daſelbſt keinen Tuͤrken nennen, auſſer wenn von der Kopfſteuer die Rede iſt⸗

*) Man ſctzt dieſe Begebenheit in das Jahr 742 oder 726. 2