Teil eines Werkes 
2. Th., 1. Bdchn (1829)
Entstehung
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Nach einem Begraͤbniſſe wird zwei Monate ge⸗ ſchmauſt. In unſerer Zeit ſtarb die Frau eines der Vornehmſten der Stadt. Sogleich wurden, der Ge⸗ wohnheit gemaͤß, die Klageweiber gerufen, welche ein außerordentliches Geſchrei erhoben. Sie weinen, zer⸗ ſtoßen ihre Seiten, zerſchlagen ihre Bruſt, und ſingen Loblieder auf die Todten. Einige redeten die verſtor⸗ bene Dame an:Wie gluͤcklich biſt du, du kannſt jetzt den heirathen; und dieſer war ein alter Freund, welcher der Dame ohnehin nicht gleichguͤltig war. Bei dem Begraͤbniß folgten der Mann und zwei erwachſene Toͤchter, von Freundinnen unterſtuͤtzt. Wenn ſie nicht wußten, was ſie thun ſollten, riſſen ſie ihre Haarbaͤnder bald auf dieſe, bald auf die an⸗ dere Seite. Wenn ein ſchoͤnes Kleid in der Stadt iſt, ſo kommt es an einem ſolchen Tage zum Vor⸗ ſchein; Freundinnen und Verwandte ſuchen in die Augen zu fallen; doch hat dabei das Seufzen kein Ende. Vor dem Begraͤbniſſe nahm man von der Ver⸗ ſtorbenen Abſchied. Die Anverwandten, beſonders der Mann, kuͤßten ihr den Mund. Dieſes iſt unum⸗ gaͤngliche Pflicht, ſollte die Todte gleich an der Peſt geſtorben ſeyn. Die Freunde umarmen ſie; die Nach⸗ barn neigen ſich vor ihr. Die Klageweiber erhalten fuͤr ihre vielen Thraͤnen nicht mehr als 5 Brode, 4 Toͤpfe Wein, einen halben Kaͤs, ein Schafs⸗Viertel, und 45 Sols an Geld. Die Verwandten muͤſſen ſehr oft uͤber dem Grabe weinen. Um ihre Traurigkeit