107
welche die griechiſche Kirche regieren, iſt daher Schuld an dem Verfalle derſelben. Dieſe Unwiſſenheit iſt frei⸗ lich eine Folge der elendeſten Sklaverei. Die geſchick⸗ teſten Maͤnner verließen, nach dem Verluſte der Hauptſtadt, ihr Vaterland, nahmen alle Wiſſenſchaf⸗ ten ihres Landes, und folglich auch alle Tugenden mit ſich. Die jetzigen Griechen koͤnnen kaum dasjenige leſen, was ſie nicht verſtehen. Man findet kaum zwoͤlf Maͤnner auf dem tuͤrkiſchen Gebiete, welche einige gelehrte Kenntniſſe der griechiſchen Sprache beſitzen.
Die Griechen ſchmeicheln ſich mit der Hoffnung, daß der Großfuͤrſt von Moskau einſt ihrem Elende ein Ende machen, und das Reich der Tuͤrken zerſtoͤ⸗ ren werde.
Die Patriarchen erhalten vom Sultane ihre Be⸗ ſtallungsbriefe. Darin iſt allen Griechen des Reiches befohlen, ihn als das Oberhaupt der Kirche anzuer⸗ kennen, ihm die noͤthigen Summen zu geben, um ſei⸗ ner Wuͤrde gemaͤß zu leben, und ſeine Schulden zu bezahlen. Alles dieſes bei Strafe der Baſtonade, Ein⸗ ziehung der Guͤter und Verſchließung der Kirchen. Das neue Oberhaupt heißt nun Ihre Ganzheilig⸗ keit; man kuͤßt ihm die Hand, oder den Roſenkranz; er aber taxirt die Praͤlaten, dieſe die Papas, und die Papas preſſen ihre Pfarrkinder. Wollen, oder koͤnnen dieſe nicht bezahlen, ſo wird die Eintreibung den Tuͤrken uͤberlaſfen, welche bei ſolcher Gelegenheit den zehenten Theil immer noch fuͤr ſich beſonders erzwingen.


