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II. Nun konnten wir nicht umhin, auch die Ruinen von Gortyna zu beſuchen, welche nur ſechs Meilen vom Berge Ida liegen. Man trifft unge⸗ heuere Truͤmmer von Marmor, Jaspis und Granit;
aber anſtatt jener großen Leute, welche dieſe ſchoͤnen
Gebaͤude auffuͤhren ließen, nichts als arme Hirten,
welche kaum ſo viel Verſtand haben, die Haſen und
Rebhuͤhner zu fangen, die unter ihnen herum lau⸗ fen. Wir ſuchten die Truͤmmer der Tempel des Ju⸗ piters, der Diana, des Apollo. Von Figuren trifft man wenig; theils wurden ſie weggeſchleppt, theils
ſchlugen ihnen die Tuͤrken die Koͤpfe ab: denn die
Tuͤrken koͤnnen die Abbildung der Koͤpfe von lebendi⸗ gen Kreaturen nicht ohne Schauder anſehen, ausge⸗ nommen auf dem Gelde, in welches ſie ſterblich ver⸗ liebt ſind. Den 1. Juli machten wir uns, mit Wachs⸗
fackeln verſehen, auf den Weg zum Labyrinthe.
Dieſer ſo beruͤhmte Ort iſt ein unterirdiſcher Gang
nach Art einer Gaſſe, welche in hundert Kruͤmmun⸗
gen, gleichſam von Ungefaͤhr entſtanden, und ohne die geringſte Ordnung angelegt iſt. Der Eingang iſt eine natuͤrliche Oeffnung, aber ſehr niedrig. Je
weiter man kommt, je bewunderungswuͤrdiger wird
dieſer Ort. Wir klebten an alle Ecke Papier mit Zah⸗ len, und kamen ſo ohne Muͤhe in das Innere, wo man unter zwei ſchoͤnen Saͤulen mit Vergnuͤgen aus⸗ ruhen kann. An den Waͤnden fanden wir verſchiedene Schriften, die mit Kohle gemacht ſind, und mehrere


