voll geſottenen Waizens, woruͤber entweder Roſinen geſtreut, oder Scheiben von Granataͤpfeln gelegt wa⸗ ren; Einige brachten auch Brodkuchen. Nach geendigter Andacht wurde alles, bis auf den geſottenen Waizen, unter das Volk in oder bei der Kirche vertheilt, nebſt Feigen und Branntwein, welche auf gleiche Weiſe ge⸗ opfert waren. Dieſe Gewohnheit ſcheint noch aus grauer Vorzeit zu ſtammen, wo man das Brod gemein⸗ ſchaftlich mit froͤhlichem Herzen verzehrte.
IV. Von der Inſel Mitylene, dem alten Lesbos.
Wir ſegelten nach Mitylene, blieben aber den erſten Tag zu Kardamilla in Scio, wo ich mein Zelt aufſchlug und dieſe Nacht verweilte; des andern Morgens kamen wir in den Hafen von Mitylene. Die Bewohner dieſer Inſel waren als Lesbier durch ihre Flotte beruͤhmt geworden. Sie hatten anfangs eigene Koͤnige, ſpaͤter eine Republik, und wurden durch die Vornehmſten des Volkes, deren Dekrete noch in eini⸗ gen Aufſchriften zu ſinden ſind, regiert. Einige Per⸗ ſonen vom hoͤchſten Anſehen maßten ſich eine faſt tyran⸗ niſche Macht uͤber ihre geringern Mitbuͤrger an. Un⸗ ter dieſen war Pittakus, einer der 7 Weiſen, wel⸗ cher ſich fuͤr das Gemeinde⸗Wohl bemuͤhte, alle Ge⸗ walt an ſich zu ziehen, und dann ſeinem Vaterlande die alte Freiheit wieder ertheilte. Die Stadt liegt auf der Nordſeite der Inſel gegen das oͤſtliche Ende,


