53⁵ erlangt. Dieſe Schelmerei bringt ihnen große Vor⸗ theile. Man geht rings um das Grabmal und betet; kommt die Schlange hinter dem Steine hervor, um ſich dem Flehenden zu naͤhern, ſo iſt es ein Zeichen, daß der Kranke geneſen wird. Man kann ſich leicht einbilden, daß ſie nur nach einer Spende erſcheint, die mit dem Stande und dem Vermoͤgen der Perſonen im Verhaͤltniſſe ſteht. In außerordentlichen Faͤllen, wo die Perſon nicht ohne die Gegenwart der Schlange geneſen kann, muß eine fleckenloſe Jungfrau ſie an⸗ flehen. Um Unannehmlichkeiten auszuweichen, waͤhlt man ein ſehr junges Maͤdchen. Man ſchmuͤckt ſie mit den ſchoͤnſten Kleidern, und begraͤnzt ſie mit Blumen. Sie beginnt zu beten, und nach der Abſicht der Prie⸗ ſter kommt die Schlange heraus, windet ſich in Krei⸗ ſen um die junge Flehende, und ruht auf ihr. Die Jungfrau, von einer zahlreichen Volksmenge begleitet, traͤgt ſie im Triumphe unter dem Getoͤſe des ſtuͤrmi⸗ ſchen Freudengeſchreies. Alle menſchliche Vernunft⸗ gruͤnde wuͤrden die unwiſſenden Aegypter nicht uͤber⸗ teugen, daß ſie der Spielball einiger Gauckler ſind. Sie glauben an die Schlange Haridi ſo gut, als an ihren Propheten. Selbſt die Chriſten zweifeln nicht an der Heilkraft dieſes Thieres; aber ſie behaupten, es ſei der Daͤmon Asmodi, der die ſieben Maͤuner der Braut des Tobias toͤdtete; der Engel R aphael habe ihn verwandelt, und dahin gebracht, und Gott bediene ſich ſeiner, um die ungiaͤubigen zu taͤuſchen.
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