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an die See erſtreckt, und dadurch gleichſam der Schluͤſ⸗ fel zum Koͤnigreiche Perſien wird. Die Mauern ſind hoch und breit, beſtehen aus lauter Quaderſteinen, welche aus Muſchelſchalen zuſammen geſchmolzen zu ſeyn ſcheinen..
Nebſt dieſer Mauer ſind auch verſchiedene Außen⸗ werke aungebracht, und gegen die Graͤuze find viele Warthaͤuſer. Die Stadt wird nur von Muhameda⸗ nern und Juden bewohnt, welche hier einen ſtarken Handel mit Sklaven und geſtohlenen Chriſtenkindern treiben. Sonſt moͤchte auch noch ein Leichenfeld merk⸗ wuͤrdig ſeyn, welches mit runden Grabſteinen, zu Tauſenden, gleichſam uͤberſaͤt war. Man erzaͤhlt, daß hier einſt eine große Schlacht vorgefallen ſey, und daß die gefallenen Helden hier begraben liegen. 3
Am 4. April verließen wir Derbent, und nicht ferne davon das perſiſche Gebiet. Die naͤchſt gelegene Landſchaft war die Tageſthaniſche Tartarey, von der geſagt wird, daß ſie das eigentliche Amazonen⸗ Land war. Die jetzigen Einwohner ſind Muhame⸗ daner, den Kuͤrken unterthan, haͤßlich von Anſehen, und ſchlecht in Sitte und Kleidung. Sie naͤhren ſich meiſtens von der Viehzucht, welche die Weiber beſor⸗ gen, waͤhrend die Maͤnner auf Naub ausgehen. Sie
ud ſehr trotzige Leute, und forderten zum Theil Geld von uns, wenn wir Waſſer ſchoͤpfen wollten. Deß⸗ wegen waren wir froh, die Stadt Tarku, in der Landſchaft gleiches Namens, erreicht zu haben, wo wir den Chan dadurch ſogleich zum Freunde gewannen, weil wir ihm, da er krank lag, unſern Arzt ſchickten, der ihn auch in einigen Tagen gluͤcklich wieder her⸗ ſtellte. Er lud uns oͤfter zu Gaſte, allein ſeine Mahl⸗ zeiten waren gar uͤbel beſtellt. Man ſetzte die Spoiſen in hoͤlzernen Schuͤſſeln, welche den Pferdebarren nicht unaͤhnlich waren, vor. Die vorzuͤglichſten Gerichte waren: Sauerampfer⸗Suppe und Schaffleiſch; Waſ⸗


