57
ſaß auf einem Stuhle in einem langen, ſchwarzen, mit Zobel gefuͤtterten Rocke, und hatte hinten am Kopfe eine aufgeblaſene Rindsblaſe, welche, wie ihr Haupt, mit einem ſeidenen, golddurchwirkten Schleier umwunden war. Den Hals bedeckte ein ſeidenes Tuch, deſſen Enden uͤber die Schultern herab hingen. Hinter ihrem Stuhle ſtand eine Aufwaͤrterin, welche eine aͤhnliche Blaſe hatte, welche ein Zeichen des Wit⸗ wenſtandes ſeyn ſoll. Zur Rechten ſtanden ihre drei Soͤhne; die zwei juͤngſten hatten ſchlechte Bauern⸗ kleider, waren mit Filzmaͤnteln behaͤngt und hatten einige Diener hinter ſich ſtehen, welche, wegen des neulich entleibten, aͤlteſten Sohnes ihre Stirne auf⸗ geriſſen hatten. Zur Linken ſtanden alte, tartariſche Maͤnner, Hofoffiziere oder Raͤthe. Wir mußten uns vor der Fuͤrſtin auf Stuͤhle niederlaſſen, wozu wir auch die Soͤhne noͤthigen wollten; allein dieſe ſagten, daß bei ihnen die Soͤhne in Gegenwart Fremder nicht vor ihrer Mutter ſich ſetzen duͤrften. Indem wir uns auf einige Weiſe unterhielten, und die Fuͤrſtin recht freundlich war, oͤffnete ſich hinter ihr eine Thuͤre, durch welche wir in einem Gemache viele Damen ſe⸗ hen konnten. Die vorderſte war ihre Tochter, welche eben beſtimmt war, den Koͤnig von Perſien zu heira⸗ then. Es waren deßwegen mehrere Perſer und Ver⸗ ſchnittene anweſend, welche beſtimmt waren, die Braut abzuholen. Sie war ſechzehn Jahre alt, ſehr ſchoͤn, weiß von Angeſicht, welches ſchwarze, herab⸗


