Teil eines Werkes 
2. Th., 1. Bdchn (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

thun kann, und deßwegen angerufen werden muß; allein es hat keine Art von Gottesdienſt eingefuͤhrt, wie es nicht an die Unſterblichkeit der Seele glaubt. Sie taufen und beſchneiden ihre Kinder nicht; wer an einem gewiſſen Tage am erſten voruͤber geht, deſſen Namen geben ſie dem Neugebornen. Sie glauben an einen Teufel und fuͤrchten ihn ſehr, weil ſie ihm alle Plagen, die ihnen begegnen, zuſchreiben. Sie haben auch einen gewiſſen Ort, Nemda, eine ſumpfige, faſt unzugaͤngliche Gegend. Dort, glauben ſie, habe der Teufel ſeinen Wohnſitz; dahin wallfahren ſie oft und bringen Opfer, das boͤſe Weſen zu verſoͤhnen. Einen Fluß in jener Gegend wagen ſie nicht zu uͤber⸗ ſchreiten: denn ſie fuͤrchten, daß ſie dann des Todes ſeyen. Bisweilen opfern ſie auch dem guten Weſen Pferde, Kuͤhe und Schafe, ſpannen die Haͤute an Pfaͤhlen aus, kochen nebenher das Fleiſch, nehmen davon eine Schuͤſſel voll in die rechte, und eine Schale Meth in die linke Hand. Dann warfen ſie beides in das Feuer, mit den Worten:„Gieb mir noch mehr Vieh!“— oder was ſie ſonſt wollen.— Zur Zeit der Ernte verehren ſie auch die Sonne, und an je⸗ dem Tage gewoͤhnlich dasjenige, wovon ihnen ge⸗ traͤumt hat. Sie haben weder geſchriebene Geſetze, noch Prieſter, noch Kirchen.

Stirbt ein Mann von Vermoͤgen, ſo wird ſein beſtes Pferd geſchlachtet, und an einem Bache, an welchen ſie ihre Feſte immer zu begehen pflegen, von