Teil eines Werkes 
2. Th., 1. Bdchn (1828)
Entstehung
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Weheklagen fortfehren. Zwiſchen ihnen ging der Pope(Prieſter) mit zwei Dienern herum, hatte ein Rauchfaß und ließ ſich die Namen der Todten ſagen, fuͤr welche jeder betete. Dieſe wiederholte er und be⸗ raͤucherte dabei die Graͤber. Die Weiber zerrten den Popen von einem Orte zum andern: denn jedes wollte fuͤr ſeinen Todten den Vorzug haben. Zuletzt reichten ſie ihm ein Stuͤck Geld; die Fiſche und Eier ꝛc. aber nahmen die Diener zu ſich.

Am 26. Mai zogen wir aus Narve nach der Fe⸗ ſtung Gam, in Ingermanland, an einem fiſch⸗ reichen Fluͤßchen, Jamiſch Beck genannt. Die Fe⸗ ſtung iſt nicht groß, aber mit ſtarken Mauern und acht runden Thuͤrmen umgeben. Hierauf kamen wir zur Veſte Capurga, und am andern Tage auf den Hof eines ruſſiſchen Bojaren, der uns gut aufnahm und herrlich bewirthete. Er hatte zwei Trompeter, die immer blaſen mußten, ſo oft er eine Geſundheit trank, was er den Teutſchen abgelernt hatte. Denn er war fruͤher ein tapferer Soldat, und hatte(1631) der Schlacht bei Leipzig beigewohnt. Vor unſerm Abzuge mußten ſeine Frau und ihre Schweſter, beide ſehr jung und ſchoͤn, bei uns erſcheinen, und unſeren Geſandten einen Becher Branntwein zum Abſchied rei⸗ chen. Dieſe iſt die groͤßte Ehrenbezeigung; ſehr ver⸗ trauten Gaͤſten wird auch geſtattet, den Mund der holden Frauen zu kuͤſſen.