142 IX. Hauptſtück.
Von der Lebensweiſe, den Sitten und Gebraͤuchen der Perſer.
Einem Fremden iſt weit angenehmer, in den per⸗ ſiſchen Laͤndern zu leben, als in der Tuͤrkei, da der gegenwaͤrtige Koͤnig ſeit ſeiner Thron⸗Beſteigung eine kolche Ordnung in dem Lande hergeſtellt hat, daß man es ohne Gefahr mit einem Stock in der Hand, und ohne andere Waffen, bereiſen kann. Das Volk iſt ge⸗ gen Fre nde hoͤflich und freundlich, und ſeine Tracht nett und anſtaͤndig. Die Maͤnner tragen lange Roͤcke, die ihnen bis auf das duͤnne Theil ihrer Beine rei⸗ chen, mit großen Fallhuͤten auf ihren Koͤpfen, die von vielerlei Farben ſind, und Turbane genennt werden. Sie tragen ferner Maͤndel, welche mit koſtbarem Pelze gefuͤttert ſind: denn obgleich das Klima außerordent⸗ lich heiß iſt, ſo kleiden ſie ſich doch immer in Pelzroͤcke.
Die Weiber ſind, was die vornehmere Klaſſe belangt,
ſehr ſchoͤn, weil ſie verſchleiert gehen, ihnen die Sonne daher niemals in das Geſicht ſcheinen kann; ſie tragen Beinkleider wie die Maͤnner, und Struͤmpfe aus ro⸗ them Sammet. Der Mann hat nur ein Weib, aber ſo viele Beiſchlaͤferinnen, als er halten kann. Wird ein verheirathetes Weib uͤberwieſen, Ehebruch began⸗
gen zu haben, ſo wird ſie ſogleich verbrannt, auch iſt
hier nicht erlaubt, wie in der Tuͤrkei, Knaben zu hal⸗ 1


