188
gegen 1000 Perſonen ſtuͤrben; weßwegen wir gerne dieß Vorhaben aufgaben. Gewiß iſt, daß zu Konſtanti⸗ nopel taͤglich gegen 2— 300 an dieſer Seuche ſterben, und daß ſie daſelbſt ohne Unterbrechung wuͤthe. da die Stadt ſehr groß und nebſt den Vorſtaͤdten uͤber 7⁰0,000 Menſchen zaͤhlt, ſo achtet man dieſe kleine An⸗ zahl nicht, und faͤngt auch nicht eher an, oͤffentliche Ge⸗ bete wegen dieſes Uebels anzuſtellen, bis taͤglich gegen 1000 ſterben. Wir ſahen ſolche an der Peſt Verſtorbe⸗ ne taͤglich mit unbedecktem Angeſichte, welche ihre Prie⸗ ſter waſchen, begraben. Die Leiche wird ohne Furcht von vielem Volke begleitet; auch geht man bei ſolchen Kranken aus und ein, und kauft ohne Beſorgniß ihre Geraͤthe, wie jene anderer Kranken. Gerne waͤre ich auch in das Serail, welches in der anmuthigſten Ge⸗ gend der Stadt liegt, gegangen, um den Obeliſk, der in ihm ſteht, wie in ſeiner Bibliothek ein Manuſeript des Titus Livius, worin er ganz enthalten ſeyn ſoll, zu ſehen; leider aber iſt dahin jedem der Eingang verſperrt.
Konſtantinopel hat auf der aͤußerſten Seite gegen Mittag 7 Thuͤrme, welche eine Art Feſtung bil⸗ den, in welchen des Großherrn Schatz aufbewahrt wird. Auf der Landſeite iſt ſie mit 3 Mauern, gegen das Meer nur mit einer Mauer umgeben. Seine Mauern moͤgen im Umkreiſe 15 Meilen haben; jedoch ſind ſeine Vorſtaͤdte, oder vielmehr die Staͤdte, die an ſie gebaut ſind nicht viel kleiner, und auch nicht


