74
Augenmerk auf das Hauptproduct der Inſel, auf die bekannte Siegelerde, welche hoͤchſtwahrſcheinlich das Erzeugniß eines Vulkans iſt, welcher hier auf dem Berge Sotira bei Cochyno ſeinen Krater hatte.— Die Erde gehoͤrt dem Sultan, wird von Janitſcha⸗ rer bewacht, und jaͤhrlich nur einmal, den 6. Auguſt gegraben von den griechiſchen Moͤnchen. Denn ſie ver⸗ liert nach altem Wahne ihre wirkſame und heilende Kraft, wird ſie nicht von einem keuſchen Volke, und an dieſem Tage, gegraben. Doch findet ſich dieſe Er⸗ de, auch anderorts auf der Inſel noch, nicht blos in den Gruben von Sotiraz; auch bei dem Dorfe Ra⸗ panidi, nahe bei Cochino.
Auf der Inſel Lemnos iſt uͤbrigens, wie auf allen Inſeln, im Archipel ein griechiſches Kloſter fuͤr die Moͤnche, nicht weit vom Dorfe Lynadon, und heißt Hagio Paulitikon. Die Inſel hat auch warme Baͤder, in welchen man baden kann, ohne daß nur einen Augenblick die Hitze derſelben es hinderte.
Von der Inſel Lemnos machte Belon in Be⸗ gleitung zweier Moͤnche vor der Morgenroͤthe abſegelnd, die Fahrt nach der Inſel Thaſos, wurde aber durch unerwartet eintretenden, widrigen Wind genoͤthigt, an der 50 Meilen unter Lemnos gelegenen Inſel Sky⸗ ros zu landen. Auf dieſer kamen ſie vor Nachts noch an. Den folgenden Tag fuͤhrte guͤnſtiger Wind ſie nach Thaſos zuruͤck. Hier ſah unſer Reiſender den


