480
es iſt das Aſyl der Gaſtfreundſchaft, und er koͤnnte es nicht ohne traurige Folgen verletzen. Dieſes Recht bewahren die Aegypterinnen ſorgfaͤltig. Ein maͤchti⸗ ges Intereſſe macht es ihnen theuer. Ein als Frauen⸗ zimmer verkleideter Liebhaber kann an dieſem verbote⸗ nen Ort eingefuͤhrt werden; freilich koſtet es ihm den Kopf, wenn er entdeckt wird.
Die tuͤrkiſchen Frauen gehen auch unter der Auf⸗ ſicht der Verſchnittenen am Nil ſpatzieren, und ge⸗ nießen des Anblickes ſeiner reitzenden Ufer. Ihre Schiffe enthalten artige Kabinete reich verziert, voll kuͤnſtlichen Schnitzwerkes, und angenehm bemalt; man erkennt ſie an den herabgelaſſenen Jaluſien, und an der Muſik, welche ſie begleitet.
Wenn ſie nicht ausgehen koͤnnen, ſo ſuchen ſie ihr Gefaͤngniß zu erheitern. Gegen Untergang der Sonne ſteigen ſie auf die Teraſſe, und atbmen die kuͤhle Luft in Mitte der Blumen, die man mit Sorg⸗ falt unterhaͤlt. Oft baden ſie auch hier; deßwegen gebieten die Tuͤrken den Ausrufern auf den Minarets die Augen zu ſchließen, damit ſie ihre Frauen nicht ſehen; aber weit beſſer kommen ſie zum Ziele, wenn ſie Blinde zu ſolchen Geſchaͤften auserleſen.
XVI. Um das Gemaͤlde der Aegypterinnen zu vol⸗ lenden, duͤrfte folgendes Abentheuer ganz beſonders zweckdienlich ſeyn.
Der alte Haſſan, ein ſehr eiferſuͤchtiger Tuͤrke, hatte eine Georgerin von ſechszehn Jahren gehei⸗


