Teil eines Werkes 
2. Th., 1. Bdchn (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

475

ihre Fuͤhrerin. Manchmal ſingen zwei Perſonen zu⸗ fammen, aber nur in einem und dem ſelben Tone (unisouo). Vorzuͤglich im Pathetiſchen entwickelt ſich ihr Talent; jedes Herz wiſſen ſie tief zu bewegen, und ſogar die Tuͤrken, die Feinde aller Kunſt und Wiſſen⸗ ſchaft, hoͤren ihnen ganze Naͤchte mit Vergnuͤgen zu.

Die Alme ſind bei Hochzeit⸗Feſten, und Leichen⸗ Begaͤnguiſſen großer Herren und reicher Leute jedes⸗ mal zugegen. Auch das gemeine Volk hat dergleichen Alme. Es ſind aber Maͤdchen niedernen Ranges die weder an Grazie noch an Kenntniſſen den Erſteren gleich kommen. Man trifft deren uͤberall. Die oͤffent⸗ lichen Plaͤtze und Spaziergaͤnge um Groß⸗Kairo

ſind voll davon. Die Frechheit ihrer Geberden und

Stellungen laͤßt ſich kaum beſchreiben; man muß Zeuge davon geweſen ſeyn. Die indiſchen Bajaderen ſind noch

Muſter der Schamhaftigkeit im Vorgleiche mit dieſen

aͤgyptiſchen Taͤnzerinnen.

XV. Die Frauen ſpielen in Europa eine glaͤn⸗ zende Rolle; in Aegypten aber welch ein Unterſchied! hier ſind ſie nur mit den Ketten der Sklaverei belaſtet.

Die Erziehung ihrer Kinder i*ſt ihre erſte Pflicht. Ihr Wunſch deren eine große Zahl zu beſitzen, iſt um ſo feuriger, als die oͤffentliche Achtung und die Zaͤrt⸗

lichkeit ihres Gatten von ihrer Fruchtbarkeit abhaͤngt.

Selbſt der Arme, der ſein Brod im Schweiße ſeiner Stirne ſpeiſet, bittet den Himmel um eine zahlreiche Nachkommenſchaft. Jede Mutter ſelbſt reicht ihrem