Teil eines Werkes 
1. Th., 2. Bdchn (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

222 3

ſen. Auch die Sklaven⸗Knaben haben eine abgeſon⸗

derte, wohlverwahrte Wohnung, wo ſie unterhalten, im Geſetze Muhmeds unterrichtet, im Reiten, Bo⸗ genſchießen und andern kriegeriſchen Kuͤnſten wohl

geubt werden. Dieſer Unterricht beginnt mit dem

zehnten und endet mit dem 20. Lebens⸗Jahre. Ge⸗ wöhnlich ſind fuͤnf oder ſechshundert ſolcher Knaben und Jünglinge beiſammen.

Ignn der Naͤhe iſt der ſchöne Marſtall des Kaiſers worin gewohnlich vierzig bis fünfzig der ſchoͤnſten und beſten Pferde ſtehen.

Das Thor zur Reſidenz— allgemein unter dem

Namen Seraill bekannt, iſt ſehr groß, mit vielen

goldenen Buchſtaben und erhabenem Laubwerk von allerlei Farben geziert. Durch dieſes kommt man auf einen ſchoͤnen, weiten, doch ungepflaſterten Platz. Am

Ende deſſelben iſt zwiſchen zwei ſtarken Thuͤrmen noch ein Thor, welches von den Janitſcharen bewacht wird.

Wer zu Pferd in das Schloß will, muß hier abſtei⸗ gen. Dann kommt man wieder in einen großen Hof, in welchem der Baſcha woͤchentlich dreimal öffentliche Audienz giebt, die Partheien zu hören, und deren Haͤndel, ſeien es welche es wollen, zwiſchen Tuͤrken, Chriſten und Juden ꝛc. zu ſchlichten. Ich wohnte einer ſolchen Verſammlung bei, und ohngeachtet des Zulaufes einer ung heuern Volksmenge, herrſchte doch eine ſolche Stille waͤhrend der ganzen Audienz, daß man kaum einen Athemzug hörte.