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mit ſo dichten Waͤnden verſehen, daß man die hef⸗ tigſten Winde nicht fuͤhlte. Nach ihren Zeichen ſchloßen die Spanier, daß ſie zur Vermeidung der Krankheiten, welche Folge unreiners Luft ſind, alle acht Jahre laͤngſtens ihre Wohnſitze veraͤndern.
Ihre Reichthuͤmer beſtanden blos in dem Schmucke
ihrer Koͤrper, z. B. bunten Federn, kleinen Kugeln
von Fiſchgraͤthen, oder gruͤnen und weißen Steinen, welche ſie an die Lippen und Ohren hingen. Sie konnten folglich ohne beſondere Beſchwerden von einem Orte zum andern ziehen; weßwegen ſie ver⸗ muthlich auch die Wohnungen gemeinſchaftlich hat⸗ ten. Jeder Begriff eines Tauſchgeſchaͤftes war ihnen fremd. Sie ſehnten ſich nach nichts als Lebensmit⸗ teln, welche die Natur ihnen durch eine große Menge von Kraͤutern, Wurzeln und Fiſchen im reichlichſten Maße darbot. Deßwegen weigerten ſie ſich nie, al⸗ les, was man von ihnen verlangte, ſogleich abzuge⸗ ben, wie auch ſie alles ganz frei zu ſich nahmen, was ihnen gefiel. Doch war ihre Begierde nach allen Gegenſtaͤnden ſchon in wenigen Augenblicken des Be⸗ ſitzes oder Genuſſes befriedigt. Sie ſchienen fuͤr Freundſchaft empfaͤnglich zu ſeyn: denn je freundli⸗ cher ihnen die Spanier begegneten, deſto mehr gaben
ſie ihnen Vorzuͤge; ſie fuͤhrten ihnen ſogar ihre Wei⸗
ber und Toͤchter zu, und baten, ſich damit zu belu⸗ ſtigen; wie ſie auch ihre Lebensmittel jedem darboten, welchem darnach geluͤſtete.


