Teil eines Werkes 
1. Th., 2. Bdchn (1828)
Entstehung
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N

Man bemerkte, daß die Indier um ihre Todten

nie betruͤbt wurden; ja uͤber deren Verluſt ganz ſorg⸗

los und gleichguͤltig zu ſeyn ſchienen. Wurde einer ihrer Verwandten ſo krank, daß ſie den Tod nicht ferne glaubten, ſo trugen ſie ihn auf den naͤchſten Berg, legten ihn in ein an Baͤumen befeſtigtes Haͤng⸗ bett, ſangen und tanzten den ganzen Tag um ihn

herum, ſetzten ihm Nahrung auf einige Tage vor,

und kehrten zu den uͤbrigen zuruͤck, ohne ſich unter⸗ deſſen oͤfters nach deſſen Zuſtande zu erkundigen. Er⸗ holte er ſich ſo gut, daß er auch zur Familie zuruͤck kehren konnte, ſo wurde er mit großer Freude und vielem Gepraͤnge wieder empfangen. Kam er in eini⸗ gen Tagen nicht wieder, und blieb noch krank, ſo verſah man ihn vom Neuen mit Speiſen und Waſſer. Fand man ihn aber todt, ſo wurde er ſogleich auf dem naͤmlichen Platze, mit der Speiſe und dem Waſ⸗ ſer, tief in die Erde begraben. Nebſtdem, daß ſie die Kranken anfangs in kaltes Waſſer tauchten, war das Hungerleiden eines der wirkſamſten Arzneimittel; weßwegen ſie bei der geringſten Unpaͤßlichkeit ſich des Eſſens und Trinkens auf 34 Tage enthielten. Auch zapften ſie ſich haͤufig Blut aus den Huͤften und der weichen Seite ab. Ihre uͤbrigen Arzneien beſtanden nur aus verſchiedenen Brechmitteln durch gewiſſe Kranter. (Die Fortſetzung im naͤchſten Baͤndchen.)