398
„Wir begnuͤgen uns, dieſe Geſchichte nur mit fͤchtigen Strichen zu bezeichnen, ſo wie ſie etwa bey der erſten Mittheilung hingewor⸗
fen worden ſind, wo die Schwaͤche der Erzäh⸗
lenden keine Ausfuͤhrlichkeit erlaubte. In ei⸗ nem Wohlſtande und unter Verhaͤltniſſen ge⸗ bohren, die ein frohes und genußreiches Leben verhießen, war ſie des Vaters durch einen fruͤhzeitigen Tod beraubt worden, und dadurch, nebſt einer juͤngern Schweſter, der Obhut ih⸗ rer Mutter anheim gefallen. Dieſe Obhut
war nicht muͤtterlich. Um ſich fuͤr die Ent⸗
behrungen eines ſtrengen Eheſtandes zu ent⸗ ſchaͤdigen,„ gab ſie die aͤteſte Tochter in eine Kloſterſchule, und folgte ſelbſt mit ſo weniger Zuruͤckhaltung dem Strudel der Welt, daß ſie ſich, nach Verlauf weniger Jahre, der oͤffent⸗ lichen Achtung und ihres Vermoͤgens beraubt, und ſchnell von den vornehmen Freunden ver⸗ laſſen ſah, die ihren Leichtſinn auf das ſchaͤnd⸗ lichſte gemisbraucht hatten. In dieſer ungluͤck⸗ lichen Zeit, wo Gram und Reue an ihrem de⸗ ben nagten, entdeckte ſich, daß die uͤngere


