18
Fluge blieb es laͤnger, und zuletzt gaͤnzlich aus. Lottchens Betruͤbniß koͤnnen Sie ſich vorſtellen. Jedoch trauerte ſie nicht uͤber ihren eignen Ver⸗ luſt, ſondern über das Schickſal des Taͤubchens; wie denn gemeiniglich ein junges Maͤdchen, wenn nicht Eiferſucht dazwiſchen kommt, in dergleichen Faͤllen am mitleidigſten iſt. Anfaͤnglich hoffte ſie noch; aber der Maͤrz lief zu Ende, und jetzt war alle Hoffnung verſchwunden.
Die Tage fingen ſchon an, waͤrmer und ſchoͤ⸗ ner zu werden, als an einem heitern April⸗ abend— wir hatten eben einige Frauenzimmer bey uns— etwas vor dem erſten Fenſter vorbey an das andre hin rauſchte. Lottchen erhob ein Jubelgeſchrey, und ſiehe da, unſre weiße Taube in der Geſellſchaft eines großen, wohlgebildeten Taubers, von glaͤnzend brauner Farbe, von der Gattung derer, die man Capuziner nennt! Au⸗ genſcheinlich hatte das Taͤubchen ihm den Weg gezeigt, und es war, als haͤtt' es von ſeiner ehemaligen Pflegerin dem neuen Geliebten erzaͤhlt; denn er ließ gleich die Bewirthung meiner Nichte ſich gefallen, und war eben ſo einheimiſch, wie ſein Vorgaͤnger. Von nun an fanden beyde ſich taͤglich bey uns ein, um ihr Futter zu holen. Auf dieſe Ueberraſchung folgte, den vierten


