Teil eines Werkes 
4. Bd. (1825) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ſahen mit einer unglaͤubigen Miene mich an, und lachten, als ich meinen Satz im Ernſt be⸗ hauptete. Jetzt kann ich ihn mit einer Thatſache belegen, fuͤr deren Richtigkeit meine Nichte, das gute Lottchen, ſich verbuͤrgt; welches viel geſagt iſt, indem ihre Wahrheitsliebe ſo weit geht, daß es ſie beleidigt, wenn ich auch nur ein Feenmaͤhrchen ein wenig anders erzaͤhle, als es im Buche ſteht.

Dor einigen Wochen alſo, an einem kalten Maͤrzmorgen, da ich mit Lottchen fruͤhſtuͤckte, kam ein Tauber an mein Fenſter geflogen, und ließ ſich mit ſeinem Weibchen, das ihm augen⸗ blicklich folgte, auf der aͤußeren Fenſterbank nie⸗ der. Beyde waren glaͤnzend weiß, an den Fluͤ⸗ geln nur mit ein Paar dunkelbraunen Flecken ge⸗ zeichnet, hatten einen ſchlanken, reitzenden Wuchs, und in den Umriſſen der Koͤpfe ſo etwas feines, etwas ſo unſchuldig zaͤrtliches in den Augen, daß ſie wurdig geweſen waͤren, auf der von Ana⸗ kreon geruͤhrten Leyer zu ſchlummern, oder, als Geſandtinnen des Liebesgottes, eine Botſchaft von ihm ſeiner Pſyche zu bringen, und in ihrem Schooße dann auszuruhen. Nicht lange, ſo entfernten ſie ſich; waren aber, weil meine Nichte ihnen Weizenkoͤrner hinſtreute, in wenigen Mi⸗ nuten wieder da. Es lohnte ſich der Muͤhe,