Teil eines Werkes 
1. Bd. (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

324

dem es ſeinen Pfeil nach ſeinem Opfer ſchleudert. Sie ſinkt in die Arme ihres erſchreckten Gatten, der, vergebens und halb außer ſich, den Streich ab⸗ wenden zu wollen ſcheint. Das Ganze iſt mit furchtbarer Wahrheit und Lebendigkeit ausgefuͤhrt; man glaubt beinahe das kreiſchende Triumphgeſchrei zu hoͤren, welches aus dem geoͤffneten Rachen des Geſpenſtes ertönt. Warum ſollen wir aber den Tod mit unnuͤtzen Schrecken zu umgeben, und Graͤßlich⸗ keiten um das Grab Derer, die wir lieben, zu ver⸗ breiten ſuchen? Das Grab muͤßte mit allem dem umgeben werden, was Zaͤrtlichkeit und Verehrung fuͤr die Todten einfloͤßen, oder die Lebenden fuͤr die Tugend gewinnen kann. Es iſt nicht ein Ort, wo Ekel und Abſcheu wohnt, ſondern fuͤr den Schmerz und das Nachdenken geeignet.

Waͤhrend man ſo in dieſen duͤſteren Gewölben und ſchweigenden Kreuzgaͤngen umherwandert, und die Gedenkzeichen der Todten genauer betrachtet, er⸗ reicht zuweilen der Ton des geſchaͤftigen Daſeyns von Außen das Ohr, das Rollen eines voruͤberfah⸗ renden Wagens, das Gemurmel der Menge, oder vielleicht das leichtſinnige Lachen des Vergnuͤgens. Der Gegenſatz iſt, mit der Todtenſtille umher zu⸗ ſammengehalten, auffallend, und es bringt einen ei⸗ genthuͤmlichen Eindruck auf das Gefuͤhl hervor,