6— 4 Europa bot jedoch den ganzen Zauber der Ge⸗ ſchichte und Dichtkunſt verbunden dar. Dort konnte ich die Meiſterwerke der Kunſt, die Verfeine⸗ rung einer auf hoher Bildungsſtufe ſtehenden Ge⸗ ſellſchaft, die ſonderbaren Eigenthuͤmlichkeiten al⸗ ter und oͤrtlicher Gebraͤuche kennen lernen. Mein Vaterland gab die ſchönſten, jugendlichen Hoffnun⸗ gen; Europa erfreute ſich des Beſitzes angehaͤufter Schaͤtze des Alters. Seine Truͤmmer verkuͤndeten die Geſchichte vergangener Zeiten, und jeder ver⸗ witterte Stein war eine Chronik. Ich ſehnte mich, auf den Schauplaͤtzen beruͤhmter Thaten umherzu⸗ wandern, gewiſſermaßen die Fußſtapfen des Alter⸗ thums zu verfolgen, um das zertruͤmmerte Caſtell zu wandeln, auf dem den Einſturz drohenden Thur⸗ me meinen Betrachtungen nachzuhangen,— kurz, der gewoͤhnlichen Wirklichkeit zu entweichen, und mich in der dunkelen Groͤße der Vergangenheit zu verlieren. Außerdem hegte ich noch das ſehnliche Verlan⸗ gen, die großen Maͤnner der Erde kennen zu ler⸗ nen. Wir haben allerdings auch unſere großen Maͤnner in Amerika, und es giebt keine Stadt, welche derer nicht eine Menge zaͤhlte. Ich habe mich, zu
meiner Zeit, unter ſie gemiſcht, und bin in dem
Schatten beinahe verwelkt, den ſie auf mich warfen, denn nichts iſt fuͤr einen kleinen Mann ſo verderb⸗


