Druckschrift 
Erzählungen / von Washington Irwing. Aus d. Engl. übers. von W. A. Lindau
Entstehung
Einzelbild herunterladen

147

auf ſeinem Rappen geweſen, das die Braut ins Grab gefuͤhrt haͤtte. Alle Anweſenden waren von der furcht⸗ baren Wahrſcheinlichkeit ergriffen; denn Vorfaͤlle der Art ſind, nach dem Zeugniſſe beglaubigter Geſchich⸗ ten, ſehr gewoͤhnlich in Teutſchland.

In welcher klaͤglichen Lage war der arme Frei⸗ herr! Welcher herzzerreißende Wechſelfall fuͤr einen zaͤrtlichen Vater und ein Mitglied des großen Hauſes Katzenellenbogen! Seine einzige Tochter war entwe⸗ der in's Grab gefuͤhrt worden, oder er ſollte einen Waldteufel zum Schwiegerſohn und vielleicht ein Haͤuflein von Kobolden zu Enkeln haben. Er war, wie gewoͤhnlich, ganz verdutzt, und das ganze Schloß in Bewegung. Die Maͤnner ſollten Pferde nehmen und jeden Pfad, jedes Thal im Odenwald durchſtrei⸗ fen. Der Freiherr hatte eben ſeine Stiefeln ange⸗ zogen, ſein Schwert umguͤrtet, und war im Begriff, ſein Roß zu beſteigen, um ſelber auf die ungewiſſe Kundſchaft auszuziehen, als eine neue Erſcheinung ſeine Eile hemmte. Eine Edelfrau nahte ſich auf einem Zelter dem Schloſſe und ihr zur Seite ritt ein jun⸗ ger Rittersmann. Sie ſprengte zum Burgthore hin⸗ an, ſprang vom Pferde, und zu des Freiherrn Fuͤſ⸗ ſen fallend, umſchlang ſie ſeine Kniee. Er war die verlorene Tochter, und ihr Begleiter das Braͤu⸗ tigamsgeſpenſt. Der Freiherr war außer ſich vor Er⸗ ſraunen. Er ſah bald ſeine Tochter, bald das Ge⸗ ſpenſt an, und traute kaum ſeinen Sinnen. Das

10